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Geschichte Kuchls

Kuchl zur Römerzeit

Mit der Einbeziehung des Salzburger Raumes ins Römische Reich unter Kaiser Augustus um 15 v. Chr. begann man das Straßennetz kontinuierlich auszubauen. Unter Kaiser Claudius (41 – 54 n. Chr.) wurde Iuvavum (Salzburg) das Verwaltungszentrum (municipium) unseres Gebietes innerhalb der Provinz Noricum. Diese friedlichen Zeiten bewirkten, dass sich Siedlungen unterhalb der bisherigen, sicheren Höhenlagen entwickelten. So auch das auf der römischen Straßenkarte, der Tabula Peutingeriana, angeführte CUCULLAE / CUCULLIS (Kuchl), das nun nicht mehr auf den sicheren Georgenberg beschränkt war, sondern direkt an die Verkehrsverbindung der südlichen Reichsstraße von Iuvavum nach Virunum (über den Radstätter Tauern) verlegt wurde.

Georgenberg11Tabula Peutingeriana /Original 3. Jh. n. Chr. / ÖNB Wien

Reste dieser wichtigen römischen Verkehrsverbindung konnte M. Hell bei Bauarbeiten an der „Alten Landstraße“ aufnehmen. Er erkannte den typischen Aufbau einer römischen Straße mit den beidseitigen Straßendämmen.

arbeitSchnitt durch eine römische Straße (P. Kolb MPZ)  wegRömische Straße, Bayern (Ah 27 BLD) 

  

große Steinbrocken

grober Steinschotter

feiner Schotter

Kies oder Schotter gestampft

 

WALD„Römerbrücke“ über die Taugl (neu gebaut 1555)

 

Dies unterstützen auch zwei Meilensteinfunde aus der Umgebung, von denen einer nach Erwähnungen beim Steinsäulgut gefunden wurde, heute aber verschollen ist, und den Verlauf der alten Römerstraße in Richtung Römerbrücke über die Taugl zeigt.  

Der zweite Meilenstein führt die Entfernung zu Iuvavum mit 13 römischen Meilen (~ 19 Km) an und entspricht damit dem durchschnittlichen Abstand von einer römischen Straßenstation zur nächsten. Diese Station für Übernachtung (mansiones) und Pferdewechsel (mutationes) ist uns bisher in nur wenigen, angenommenen Resten (Scharfetterhof) erhalten und noch nicht exakt lokalisiert. 1911 wurde beim Anlegen eines Ableitungskanals in der Kellau (Irlergut) ein Weihealtar für die Glücksgöttin Fortuna (Details siehe Objektbeschreibung links) entdeckt, dessen Fund noch im selben Jahr zu einer Grabung durch O. Klose führte.

Der Ausgräber konnte 14 Räume eines Badegebäudes anschneiden, die als Teil einer „villa rustica“ des 2. bis 3. Jh. n. Chr. bezeichnet wird. Die Badeanlage mit mehreren Becken entsprach dem gehobenen Komfort mit Hypokaustenheizung (Fußboden- und Wandheizung), Wandbemalung und Mosaikausstattung.

saunaBeheizung des Warmbades mit Fußbodenund Wandheizung durch das Praefurnium (P. Kolb MPZ) tunnel
Praefurnium Villa Kellau
tunnel2
Frigidarium Villa Kellau

 

planGrabung 1911

 

Ergänzende und weiterführende Grabungen für die wissenschaftliche Untersuchung der Anlage und zur Auffindung derWohngebäude wurden durch Baumaßnahmen 1987 unmöglich gemacht. Im Markt Kuchl selbst wurde ein Grabstein (Details siehe Objektbeschreibung rechts) des späten 1. oder 2. Jahrhunderts entdeckt, der mit seiner Inschrift die Familie als einheimische Kelten tituliert, da die Namen eindeutig auf Bürger mit peregriner Rechtsstellung hinweisen. Peregrinus war jeder Freie, der nicht römischer Bürger war.

tafelUmzeichnung des Grabsteines

 

Für die späte Kaiserzeit ist ein Rückzug der Straßenstation auf den Georgenberg anzunehmen, vielleicht bereits ab 233 n. Chr. im Zuge des Alemanneneinfalls. Das Vorhandensein der Station in dieser Zeit mag der bereits erwähnte Meilenstein von Jadorf belegen, der von der 13. Meile nach Iuvavum und von einer Straßenrenovierung in der Zeit zwischen 324 und 326 n. Chr. unter Kaiser Konstantin dem Großen berichtet. Dieser Kaiser war es auch, der das Christentum als gleichgestellte Religion anerkannte. Rund um den Georgenberg kommen immer wieder vereinzelt römische Fundstücke und einzelne Mauerreste zu Tage, die uns in Verbindung mit modernsten Prospektionsmethoden und Grabungen hoffentlich bald ein genaueres Bild vom römischen Kuchl geben können.